Wie war das nochmal mit den Hühnern?

 

Wieder eine nette Geschichte von U.F.

 

Wer die anderen beiden Geschichten aufmerksam gelesen hat, weiß, dass manche Dinge sich ganz unbemerkt einschleichen und ehe man sich versieht, sind Tatsachen geschaffen. Daher habe ich angefangen, das „Kleingedruckte“ immer genau zu lesen.

 

Das mit den Hühnern war Gottseidank noch weit außerhalb des Radars und der Möglichkeiten. Es wurde zwar immer mal wieder als zukünftige Option erwähnt, aber ich habe im „Kleingedruckten“ wirklich nichts gefunden und das hat mich beruhigt.

Nur einmal habe ich in der Vergangenheit gezuckt: das schöne alte Haus in Stuttgart hatte unter der Terrasse im Hochparterre  – man glaubt es kaum – aus alten Zeiten einen Hühnerstall. Echt jetzt: gemauert, richtig mit einem kleinen Fenster zum Garten und Hühnerleiter inklusive. Gut, dass man in der Stadt keine Hühner halten darf – steht so in der Gemeindesatzung. Habe ich zumindest damals glaubhaft vermittelt und so war das Thema vom wieder Tisch. Uff! Hunde und Hundebetten gab es ja dagegen als Ersatz mehr als genug.

 

Auch der Umzug ins Allgäu war keine Gefahr. Der erste Wohnsitz war doch eher etwas von der gepflegteren und die Hausbesitzer von der Sorte, die Hühner eher mit Coq au Vin verbinden. Und die Berge, Kühe und alles drumherrum habe genügend abgelenkt.

 

Die Sache wurde aber jäh akut, als das mit dem eigenen Haus kam. Das Haus allein war ja nicht das Problem, aber der Vorbesitzer hat einen kleinen Stadl auf das Grundstück gesetzt. Also, dieser kleine Stadl – klein ist leicht untertrieben, denn am oberen Ende beherbergt er ein wirklich schnuckliges Skihüttenstüble, in der Mitte ist reichlich Platz für Geräte und Krimskrams und am unteren Ende … tja, es gibt ja Momente, da traut man seinen Augen nicht. Am unteren Ende öffnete sich eine Tür zu einem kleinen Stall! Bitte, aufgemerkt – das Haus war kein Bauernhof und man hätte im Haus alles erwarten können – Sauna, Fitnessraum etc. Aber ausgerechnet einen STALL? Nicht größer als zweimal drei Meter, aber immerhin. Stand auch noch auf einem Schild über dem Eingang „Geißenhütte“ – Nachtigall ich hör dir trapsen (und das mit den Geißen werde ich sicher ein paar Jahre später mal erzählen).

 

Wie auch immer. Zuerst wurde das Haus gekauft, alles umgezogen, eingerichtet, Teich gegraben (hatte ich die Geschichte mit den Fischen schon erzählt?) und der Garten gerichtet. Und ich bin ganz sicher: weiter hinten im Kleingedruckten stand bestimmt „Hühnerhaltung auf dem Grundstück ausdrücklich erwünscht…“ – hätt‘ ich nur mal richtig hingeschaut. Und so kam es, wie es gekommen musste...

 

Im nächsten Weiler gab es eine Hühnerzüchterin (was für ein Zufall) und die Auswahl dort war groß und vielfältig. Und dass man nicht mit nur einem Huhn auskommen könnte, das habe ich schon bei den Hunden gelernt – geht nicht. Sogar selbsternannte Experten, die zu Besuch kamen, waren klipp und klar der Meinung, dass es unter fünf Hühnern gar nicht geht. Das läuft dann, glaube ich, schon unter „landwirtschaftlichem Kleinbetrieb“. Gut, ich gebe zu, die Voraussetzungen waren ja nicht schlecht. Der Stall wir groß, hell und luftig, davor reichlich Platz für einen Auslauf, die Hunde haben ja keinen Jagdtrieb, so dass das Überleben der Hühner gesichert ist und wenn die Hühner nur halb so gut versorgt würden wie die Hunde, hätten sie ein paradiesisches Leben. Und ein langes sowieso, denn die Option Kochtopf kommt in unserem Sprachgebrauch nicht vor.

 

Das wichtigste Argument waren natürlich die Eier. Eigene, frische, aus freister Landhaltung – wer kann da schon nein sagen. Ich habe zwar versucht vorzurechnen, dass sich mit Hühnerkauf, Investitionen, Hühnerfutter etc. das Ganze in ca. 99 Jahren erst amortisieren würde, aber keine Chance. Hätte ich auch vorher schon sagen können. Also dann, Hühner kaufen, in den Garten stellen, Körner hinwerfen, fertig.

 

Halt, halt. Aufmerksam meine vorherigen Geschichten gelesen? Ob Hund oder Huhn – ALLES wird konsequent und gründlich vorbereitet und geplant. Vermutlich gibt es mehr Hühner- als Hunderassen und das will gründlich gecheckt sein. Legen sie Eier und welche Farbe? Sind es Brüter oder mehr die Kochtopf-Variante? Hübsch aussehen sollten sie auch und – man glaubt es kaum – unterschiedliche Charaktere gibt es auch. Also, hin zur Züchterin und flugs waren die Hühner da, allesamt verschieden, eine bunte Mischung und sogar ganz hübsch anzusehen.

 

Doch zuerst kam natürlich wieder ein „Hornbach-Projekt“. Jippijaja, jipiyeeeh. Denn Hühner sperrt man nicht einfach in einen Stall oder lässt sie in den Garten. Zumindest nicht bei uns. Stall muss hell sein (streichen und Fenster einbauen), genügend Fläche und Sitzgelegenheiten haben (Bretter, Latten kaufen und montieren), leicht zu reinigen (alles erhöht und zum Abnehmen montieren) und sicher muss er sein.

 

Letzteres bedarf inscheniörsmäßigem Vorgehen. Denn mannigfaltige Gefahren lauern aus der Luft, Land und Boden. Hühnerhabichte, Fuchs, Marder und auch Mäuse und Ratten – alles will ferngehalten werden. Also baust du den Hühnerstall und den Auslauf wie Fort Knox. Zäune, Gitter, feste Böden, Riegel…hier kommst DU nicht rein! Wäre doch gelacht (*Anmerkung, vorweggenommen:  reingekommen ist bisher keiner, aber die Hühnis selbst scheren sich wenig um Zäune…)

 

Zum Schluss ist es fast idyllisch geworden: schöner heller und luftiger Stall, sogar mit Winter-Sonnenbalkon, geschütztem Auslauf mit Büschen, Unterstand für Regentage, großer Anschlußgarten, wenn es einem zu eng wird – da wohnt mancher schlechter.

 

Alles hätte so schön sein können.

 

Wäre da nicht Karl, ein stolzer, weißer Gockel gewesen. Der musste leider wieder weg. Denn der hat nur ein paar ganz bestimmte Hühnerdamen umsorgt und betüttelt. Andere Hühner hingegen, wie die Grete (ein Sachsenhuhn), hat er ständig getrietzt und gescheucht, da musste der Karl wieder weg. Denn das ging gar nicht. Dummer, dummer Gockel – hat die schönsten Hühnermädels, eine Villa Sonnenschein mit Flat TV und Garten mit Hochterrasse und vermasselt die Chance seines Lebens.  Tzz, tzz…

So blieb eine reine Frauenschar übrig, und – wer hätte es gedacht, natürlich alle mit Namen: Grete kennen wir ja schon, dann die Luise, die Sissi, Uschi, Lola, Antonella und Fanny. Mitgezählt? Ich sage ja, immer das Kleingedruckte lesen.

 

Gut, auch über Hühner habe ich viel gelernt. Es gibt nichts Neugierigeres, als ein Huhn – machst du was im Garten, sind gleich acht Assistenten um dich herum. Angst kennen die ja keine. Auch wenn du mit dem Presslufthammer arbeitest, gackern sie um dich herum, du könntest ja einen Wurm freilegen. Eier legen sie in der Regel fleißig und auch die Nachbarschaft hat was davon. Ab und zu gibt es Stress mit dem Brutfieber und in der Mauser geht auch nichts – dann schnellt leider auch die Ammortisationszeit für die Eierbewirtschaftung nach oben.

 

Moment Mal, habe ich vorhin acht gesagt?! Sind doch nur 7 Hühner! Oh je, das wird doch keine selbsterfüllende Prophezeiung sein?

 

Ach ja, und wer bisher keine Hühner mag, der geht einfach mal mit einer Büchse Haferflocken in unseren Garten, klopft ein paar Mal an die Büchse und schon kommt die ganze Hühnerschar angerannt – sie fliegen dir regelrecht entgegen und spätestens jetzt  DEIN Herz ihnen zu.

 

Tja, so kommt’s halt.

 

Natürlich schaue ich immer wieder Mal verstohlen auf das Schild über der Stalltüre: „Geißenhütte“. Ich verdränge das einfach. Die Augen sind ja auch nicht mehr so gut, als das man alles Kleingedruckte lesen kann.

 

von

U.F.

Oktober 2015

 

Letzte Aktualisierung:

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