Gestern wusste ich noch nicht, wie man Kromfohrländer schreibt...

...und heute habe ich schon zwei.

 

Eine Glosse.

 

(Nach einer wahren Geschichte, die noch nicht zu Ende ist)

 

 

Zugegeben, ich, der Autor dieser Glosse, gehöre zu der Sorte Mensch, für die Hunde früher einfach nur Tiere waren, mit vier Beinen, Fell, Kopf vorne (der bellt und frisst) und Schwanz hinten (der wedelt und sich freut). O.k. ein bisschen mehr wusste ich schon, aber der richtige Hundenarr war in mir (noch) nicht geboren. Aber in meiner besseren Hälfte. Seit der Kindheit. Und ihr sehnlichster Wunsch war, mal einen Hund zu haben. Berufliche Umstände, private Situationen ließen diesen Wunsch jedoch eher erst nach der Pensionierung als realisierbar erscheinen. Nun ja.

 

Aber es kam der Tag, als alles möglich wurde und die Umstände nicht mehr umständlich waren. Und ich dann auch noch den Anstoß gab: „Eigentlich könntest Du doch jetzt schon einen Hund...“ So schnell konnte ich gar nicht schauen, wie Hunde- und Rassebücher auf dem Tisch gestapelt wurden und Aussehen, Wesensmerkmale und Verhalten gesichtet und sortiert wurden. Na ja, ein wenig hab ich auch schon mitgemischt, denn weder war es mir nach einer kleinen, kläffenden Töle noch nach einem furchterregenden, langfelligen und knurrenden Großhund. Deshalb erhob ich zaghaft den Wunsch nach einem mittelgroßen, drolligen, pfiffigen und möglichst pflegeleichten Hund, den man auch mal in die Ecke stellen oder legen kann (naive Vorstellung eines Ersthundebesitzeranwärters). Aber bei der Durchsicht aller 400 Hunderassen blinkerte mir ein wuscheliges, struppiges Etwas entgegen und klopfte an mein Gedächtnis: „Ja“, sagte ich, „über den habe ich schon mal eine Sendung gesehen, das muss eine ganz besondere Rasse sein...“

 

So nahm die Geschichte ihren Lauf und ich war nicht ganz unschuldig daran. Das struppige Hundle der Rasse Kromfohrländer war die einzige und schnell entschiedene Wahl. Nur – wie kommt man zu dem Hundle? In einen Hundeladen und kaufen? Per Versand bestellen? (o.k., ein wenig mehr wusste ich schon, aber wer kennt schon einen Kromfohrländer). Nun, wer meine Angela kennt, der weiß, dass alles generalstabsmäßig geplant und ausgeführt wird. Erkundungen einziehen, Telefonleitungen zum Glühen bringen, Experten befragen, Züchter kontaktieren – wer einen Hund wirklich will, für den gibt es kein Hindernis. Außer – beim Kromfohrländer gehen die Uhren anders. Sooo schnell geht es leider nicht.

 

Und so war die (niederschmetternde) Erkenntnis, dass man sich für einen Kromfohrländer in Geduld üben muss: ein bis eineinhalb Jahre Wartezeit seien durchaus möglich! Nun ja, für mich hieß das: nochmals davon gekommen, in einem Jahr passiert viel und vielleicht vergisst man ja das mit dem Hund. Oder ?!? Weit gefehlt: ein Jahr ist genug Zeit, um sich noch generalstabsmäßiger vorzubereiten. Noch mehr Bücher lesen, Züchter BESUCHEN, auf Ausstellungen gehen und schon mal die Umgebung auf den Hund vorbereiten (vielleicht schon mal nach Hundebetten schauen?).

 

Bald schon kam ein etwas intensiverer Kontakt mit einer Züchterin zustande, die zudem auch noch einen Wurf in den nächsten Monaten erwartete. Die Interessentenliste zwar schon ausgebucht, aber man kann ja schon mal den Zwinger besuchen, die trächtige Hündin sehen und eventuell mal den Wurf später anschauen – alles im Sinne einer guten Vorbereitung auf den späteren Kromfohrländer-Ernstfall.

 

Der entscheidende Anruf kam aus heiterem Himmel und fast unbemerkt: „Hallo, hier ist die Züchterin Frau B. aus H., meine Welpen sind da.“… „Ach ja, wie schön, sind denn alle wohlauf, wie viele, welches Geschlecht, dann kann ich vielleicht die Welpen anschauen kommen usw. usw....“, war die erste Reaktion. Und dann kam die schicksalswendende Frage der Züchterin: „Ich würde Ihnen gerne einen Welpen aus diesem Wurf geben. Bei Ihnen wäre einer meiner Hunde bestimmt gut untergebracht.“ „Möchten Sie denn einen Welpen haben?“.

 

Peng! „Wie, ääähh, stotter, weiß nicht...“, war wohl dann die zweite Reaktion meiner lieben Angela, die ich dann abends, als ich nach Hause kam, etwas aufgeregt vorfand. Nach der Erzählung des Telefonats kam dann MEINE schicksalswendende Frage: „Und – was hast Du geantwortet?“ „Dass ich es mir überlege und mich nächste Woche nochmal melden werde...“

 „WIE BITTE??“, war dann meine Reaktion, „in EINER Woche nochmals melden?? Bist Du verrückt??

 

Der Rest ist schnell erzählt. Natürlich haben wir sofort angerufen und einige Wochen später das kleine Hundle nach Hause geholt. Ein Jahr früher als geplant, erwartet und erhofft, aber das Leben schreibt seine Geschichten ja bekanntlich selbst. Das kleine Hundle heißt Bendix „Bendel“ vom Isarflimmern und ist natürlich das netteste und schönste Hundle der Welt. Und die frisch gebackene “Hundemama” gehört seitdem zu den glücklichsten Menschen der Welt.

 

Soweit so gut. Dass die Sache noch kein Ende hat, kam mir bei einem Waldspaziergang mit Hund und Hundemama einige Monate später. „Du, sag mal... (so fing es an)...wenn wir mal einen zweiten Hund hätten (da habe ich noch gar nicht richtig zugehört)...das wäre doch mal überlegenswert (mäßig interessiertes Brummen meinerseits)...dann wäre da vielleicht der übernächste Wurf, der D-Wurf bei Frau B. ...(hellhörig werdend)...und wir könnten jetzt doch schon mal damit anfangen, uns einen Namen mit D für das zweite Hundle zu überlegen ...“ „WIE BITTE“, – war, hellwach geworden, meine Reaktion – „gestern hatte ich noch gar keinen Hund und jetzt überlege ich mir schon einen Namen für den zweiten ?!?!“

 

Sie können sich es ja denken, wie es weiterging. So kam ja auch die Überschrift zustande. Es war übrigens nicht erst der D-Wurf, sondern bereits der C-Wurf (so, ach was!). Und das zweite Hundle heißt Cipollina vom Isarflimmern und ist natürlich (neben dem Bendel) das netteste und schönste Hundle der Welt. Und die Hundemama gehört seitdem zu den noch glücklicheren Menschen der Welt. Nun ja, sagte ich mir, es ist wie bei den Kindern. Zwei sind besser als eines, aber dann ist Schluss.

 

O.k., ich habe viel gelernt in dieser Zeit. Aus einem mäßig interessierten Hundemenschen ist fast ein Hundenarr oder zumindest ein passabler Hundekenner geworden (was haben wir eigentlich in der Zeit vor den zwei Hunden gemacht??). Inzwischen laufe ich bei Kromispaziergängen inmitten von zwanzig Kromfohrländern herum (hätte ich früher nur den Kopf geschüttelt), erzähle stolz über irgendwelche Prämierungen bei Ausstellungen (besonders die, dass mein Hundle bei der Welthundeausstellung unter 17.000 Hunden einen dritten Platz gemacht hat – muss ja nicht jeder wissen, wieviel dritte Plätze es gibt). Habe mich daran gewöhnt, dass es in Urlaub nur mit den Hunden geht (oder gar nicht), dass es in der Wohnung und im Garten aussieht wie auf einem Kinderspielplatz (und die Hunde kennen auch noch jedes Spielzeug nach dem Namen), und dass das Leben mit den Hunden mehr Spaß macht, als gedacht (auch wenn ich manchmal (stimmt nicht! Anmerkung der Redaktion) nur an vierter Stelle im Rudel komme).

 

Aber ich schlafe noch im eigenen Bett und die Hunde in ihrem (wir haben ja auch genug davon), das Fressen müssen wir uns nicht teilen (ab und zu den guten Bergkäse), bei den Frauen haben ich auch mehr Chancen (...ach sind die süüüüß...) und wenn ich mal einen schlechten Moment habe, geh ich drei Minuten vor die Türe, und beim Zurückkehren freuen sich die Hunde wie über einen verlorenen Sohn.

 

So hätte es ewig weitergehen können. Aber meine liebe Angela gehört zu der Sorte Menschen, die wirklich nichts Halbes machen. Abgesehen davon, dass sie vermutlich alle Hundeliteratur dieser Welt gelesen hat, sich stundenlange telefonische Beratungsgespräche mit befreundeten Kromfohrländerbesitzern liefert, über Hundegesundheit mehr weiß, als ein Tiermedizinstudent im sechsten Semester, im Internet eine Milliarde Internetseiten auf Interessantes und Wissenswertes abgesucht hat und meinen allergrößten Respekt in Sachen Versorgung der Hunde und deren Erziehung verdient hat – irgendwie war da noch was.

 

Wahrscheinlich fing es mit der Cipollina an. Weil sie das netteste und schönste Hundle der Welt ist und schon so viele Preise gewonnen hat. Und es überhaupt so wenig Welpen gibt. Und wir ja eigentlich viel Platz haben. Und überhaupt. Ob wir nicht mal einen Wurf machen könnten?? Einen Wurf? Heißt das übersetzt: HUNDE ZÜCHTEN?? Ja, ja, nur einen Wurf. Einen kleinen. Einen klitzekleinen A-Wurf.

 

Na ja, ihr könnt euch ja vorstellen, wie das jetzt weiterläuft. Zeitplan: in zwei Jahren (es ist jetzt ein Jahr daraus geworden). Eine Namensliste von 100 Namen mit A haben wir auch schon. In Gedanken baue ich bereits Wurfkisten und Welpenauslaufgehege (mein Baumarkt freut sich). Zuhause stapeln sich die Bücher über erfolgreiche Hundezucht (und ich ertappe mich dabei, darin zu lesen), ein Zwingername wurde beantragt (kaum war der Gedanke ausgesprochen), Verwandt- und Bekanntschaft hat schon mal Urlaubssperre für das nächste Jahr, die Suche nach einem geeigneten Rüden läuft auf Hochtouren (eine Aufgabe für wahrhaft generalstabsmäßige Abwicklung) und by the way – wir basteln bereits an einer Homepage für den Zwinger und die ist bald fertig.

 

Aber es ist ja nur für einen Wurf. Bestimmt. Oder zumindest sind weitere nicht ausdrücklich geplant. Nervös macht mich nur, dass in der Namensliste bereits die Buchstaben B und C angelegt sind!?!...

 

Kromfohrländer, ich hör dir trapsen...

 

Aber Hauptsache Hunde und Hundemama sind glücklich!

 

U.F.

 

 

Letzte Aktualisierung:

25.10.18 Aktuelles zum Viehscheid und Unsere Hunde Heute

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© Angela C. Böhrensen